Dienstag, 8. Januar 2013

Verlust der Impulskontrolle
Neue Fall-Studie bestätigt: Nebenwirkung von Dopamin-Agonisten
Verhängnisvolle Wesensänderungen sind kein Parkinson-Symptom

Auch Hypersexualität ist eine typische

Impulskontrollstörung
Parkinson ist bei Betroffenen auch bekannt als eine Krankheit "mit tausend Gesichtern". Neben "klassischen" Symptomen wie zum Beispiel Tremor, Rigor oder Bewegungsstörungen, die in verschieden Formen und Schweregraden auftreten gibt es unterschiedlichste Begleiterkrankungen wie Depressionen, von denen nicht bekannt ist, ob sie Teil oder Folge des Morbus Parkinson sind. Immer wieder kontrovers diskutiert werden Impulskontrollstörungen wie Kauf- Spiel- und Esssucht sowie Hypersexualität. Eine Fall-Kontrollstudie der Perelman School of Medicine in Philadelphia deutet darauf hin, dass diese Wesensänderungen nicht durch die Parkinson-Erkrankung selbst, sondern vor allem durch die Therapie mit Dopamin-Agonisten verursacht werden. Mit Agonisten werden vor allem jüngeren Parkinson-Patienten behandelt.

Die verschiedenen Erscheinungsformen des Verlusts der Impulskontrolle kann schwerwiegende Folgen für Patienten und ihre Angehörigen haben. Einige Patienten neigen plötzlich zum pathologischen Spielen und verlieren dabei häufig hohe Geldbeträge.

Kauf- und Ess-Sucht sind weitere typische Impulskontrollstörungen. Beziehungen werden nicht selten durch die Entwicklung oder Übersteigerung ungewöhnliche sexuelle Neigungen gefährdet. Eine typische Erscheinungsform der Impulskontrollstörungen ist auch der sogenannte „Hobbyismus“, das zwanghafte Sammeln von Gegenständen oder die Fixierung auf bestimmte Freizeitaktivitäten, die sich ebenfalls oft bei Parkinsonpatienten im Laufe der Krankheit entwickeln.

Den Verlust der Impulskontrolle führen Psychiater auf die stimulierende Wirkung der Medikamente auf das Belohnungssystem des Gehirns zurück, bei dem Dopamin der zentrale Neurotransmitter ist.

Nachdem zunächst angenommen wurde, dass Impulskontrollstörungen Symptome des Morbus Parkinson sein könnten, stellt sich jetzt immer eindeutiger heraus, dass es sich dabei um Nebenwirkungen vor allem unter der Behandlung von Dopaminagonisten handelt, die eine gezielte und gegenüber L-DOPA verstärkte Wirkung auf dieses Neurotransmittersystem haben.

Levo-Dopa (L-Dopa) ist das "klassische und zuverlässigste Parkinson-Medikament, dessen Wirkstoffdauer aber auf 15 - 25 Jahre begrenzt ist. Jüngere Parkinson-Patienten werden deshalb zunehmend zunächst mit Dopamin-Agonisten behandelt bevor mit der L-Dopa-Therapie bgonnen wird. Weit verbreitet sind mittlerweile auch Kombi-Therapien mit Agonisten und kleineren Mengen L-Dopa.

Daniel Weintraub von der Perelman School of Medicine in Philadelphia hat 168 Patienten mit neu diagnostizierter Erkrankung untersucht, die bisher noch keine Medikament erhalten hatten. Zum Einsatz kam der „Questionnaire for Impulsive-Compulsive Disorders in Parkinson's Disease“ (QUIP), der speziell für die Erkrankung entwickelt wurde und Patienten sowie Informanten nach auffälligen Aktivitäten in den Bereichen Spielen, Sex, Kaufen oder Essen befragt.

Die Angaben der neu unbehandelten Patienten wurden mit denen von 143 gesunden Kontrollen verglichen. Weintraub kommt in der Studie zu dem Ergebnis, dass die Parkinson-Patienten zu Beginn der Erkrankung noch nicht unter einem Verlust der Impulskontrolle leiden.

Ein weiteres Ergebnis der viel beachteten Studie, die im Fachblatt "Neurology" (2013; 80: 176-180) veröffentlicht wurde: Rund 20 Prozent aller Teilnehmer, Parkinson-Patienten wie Gesunde, hatte bereits vor der Studie und der Parkinson-Diagnose eine gewisse Anfälligkeit für eine verminderte Impulskontrolle haben. Ungeklärt ist bisher, ob diese Patienten unter der Therapie stärker als andere gefährdet sind, weitere Impulskontrollstörungen zu erleiden.

jos

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