Donnerstag, 8. November 2012

Zehntausende Menschen sterben jährlich an Medikamenten
Zu Risiken und Nebenwirkungen den Ärzten und Apothekern lieber ein Loch in den Bauch fragen - und informieren Sie sich Sie sich in der Priscus-Liste

In den Beipackzetteln von Medikamenten wird durchaus auf Risiken und Nebenwirkungen hingewiesen. Und auch Ärzte und Apotheker sind verpflichtet, Patienten auf die unerwünschten und teilweise gefährlichen möglichen Folgen der Einnahme der verordneten Medikamente hinzuweisen. Dennoch sterben Jahr für Jahr mehrere zehntausend Patienten an den Wechsel-und Nebenwirkung, auf die in Werbespots für die Medikamente zwar pflichtschuldigst, weil obligatorisch, aber eher am Rande und im schwer verständlichen ICE-Sprechtempo hingewiesen wird.

Wie die Verbraucherzeitschrift „Guter Rat“ berichtet, gehören Herzinfarkt, Leberversagen, Magen-Darm-Blutungen zu den häufigsten Neben- und Wechselwirkungen mit Todesfolge. Die zahlenmäßig häufigsten Verursacher der lebensbedrohenden Komplikationen sind Blutdrucksenker, Schmerzmittel und Antidepressiva.

   Über 65jährige schlucken durchschnittlich sechs Medikamente täglich   

Je nach Studie sterben zwischen 25.000 und 58.000 Patienten jährlich an gefährlichen Neben- und Wechselwirkungen der genannten Medikamente. Wenn ein Patient fünf Medikamente am Tag nehme, müsse man mit zehn und mehr Wechsel- und Nebenwirkungen rechnen, zitiert die Zeitschrift "Güter Rat" den Chefarzt der Klinik für Rheumatologie, Immunologie und Nephrologie am Asklepios Rheumazentrum Hamburg, Keihan Ahmadi-Simab. 65-Jährige schlucken demnach heute im Schnitt sechs Arzneimittel pro Tag.

Experten zufolge leiden arzneimittelgeschädigte Patienten vor allem unter Magen-Darm-Bluten, Versagen von Leber oder Niere, Herzinfarkt oder Muskelentzündung. „Die häufigsten Nebenwirkungen und Komplikationen werden durch die Medikamente verursacht, die am häufigsten verordnet werden. Das sind Blutfett- und Blutdrucksenker, Schmerzmittel, Antidepressiva und Magensäureblocker“, sagte Ahmadi-Simab. So werde bei Herzpatienten, die das Blutverdünnungsmittel Clopidogrel und gleichzeitig den Magensäureblocker PPI einnehmen, die Wirkung des Blutverdünners reduziert. Daher komme es zu 30 Prozent mehr Infarkten.

   Gefährlicher Schmerzmittel-Rekord   

Verschärft wird die Entwicklung auch durch den Trend, dass deutschlands Ärzte ihren Patienten eine Rekordmenge an Schmerzmitteln verordnen. Laut Arzneiprüfungsinstitut (DAPI) waren es zuletzt 6,3 Millionen Packungen im Jahr - 50 Prozent mehr als 2005. Experten warnen vor Medikamentenabhängigkeit.

Die verschriebenen Medikamente werden überwiegend bei chronischen Schmerzen eingesetzt, gegen die rezeptfreie Medikamente wie Aspirin oder Paracetamol nichts ausrichten können. Dies gilt oft bei Schmerzen an Kopf, Rücken, Knie oder Nacken - insgesamt haben Millionen Deutsche chronische Schmerzen. Auch Patienten im fortgeschrittenen Krebsstadium leiden häufig unter erheblichen Schmerzen.

   Medikamententests nur an Jüngeren erprobt   

Ältere Patienten sind auch deshalb stärker gefährdet, weil sich mit dem Alter der Stoffwechsel ändert, Medikamente aber nur an jüngeren Menschen erprobt und erforscht werden. Die Pharmakologin Petra Thürmann hat mit Kollegen der Universität Witten/Herdecke eine Aufstellung von Medikamenten und ihren Wechselwirkungen erstellt, die Priscus-Liste.

Nach ihren Erkenntnissen nehmen 15 bis 20 Prozent der 75-Jährigen, die noch zu Hause leben, kritische Medikamente, sagte die Expertin. Mit ihrer Liste wolle sie Ärzte über mögliche Nebenwirkungen und verträglichere Alternativen informieren. Die Priscus-Liste in einer Patientenversion kann im Internet heruntergeladen werden.

jos

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